2019-05-04_SoH in St-Maurice_Generalprobe_Def

Wenn eine «durchgeknallte» Idee Wirklichkeit wird.

Bei einem Strategie-Bierchen im Restaurant Roter Turm in Baden entwickelten Christoph Wieder (Dirigent) und ich (damals Präsidentin des Gospelchores SPIRIT OF HOPE) die Idee, gemeinsam mit einem Streichorchester und unserer Band ein Konzert zu realisieren.

Acht Jahre und viele Telefonate mussten wir warten, bis sich ein Türchen öffnete. Immer wieder bekamen wir von angefragten Orchestern eine Absage. Bis eines Abends im Familienkreis unseres Dirigenten der zündende Gedanke kam, das Streichorchester der Kantonsschule  Wettingen, bei dem auch Christophs Tochter Juliana mitspielt, anzufragen. So kam der Ball ins Rollen. Bei einem Treffen mit den Dirigenten des Orchesters konnte Christoph die Begeisterung für ein solches Projekt wecken und wir sahen gute Chance, dass das Projekt umgesetzt werden könnte.

 

Das Projekt kommt ins Rollen

Welche Schritte galt es in die Wege zu leiten und welche offene Fragen zu beantworten?

  • Wer leitet das Projekt?
  • Wer ist im OK?
  • Welche Botschaft transportieren wir?
  • Wo und wann finden die Konzerte statt?
  • Wie sehen das Budget und die Finanzierung aus?
  • Welche Werbung werden wir in die Wege leiten?
  • Welche Logistik benötigt es?
  • Wie sieht es mit Sicherheitsvorkehrungen und- / -oder Verkehrsdienste aus?
  • Wie werden alle MusikerInnen, SängerInnen und Techniker verpflegt?

All diese organisatorischen Fragen konnten im Vorstand und im OK geklärt werden. Die grosse Herausforderung stellte aber die musikalische Kombination zwischen Chor, Band und Orchester dar: 

  • Wie sieht das musikalische Programm aus?
  • Wer schreibt die Gospellieder um, dass auch die Streicher Notensätze zum Proben haben?
  • Wer dirigiert das Konzert?
  • Wie und wann führen wir die verschiedenen Elemente zusammen?
  • Wie finden wir gemeinsame Termine?

Fragen um Fragen, die in vielen intensiven Sitzungen und Gesprächen im Vorfeld geklärt und definiert wurden.

 

Herausforderungen

Verschiedenartigkeit der MusikerInnen und SängerInnen

Die gesamte Planung und Einstudierung des musikalischen Programms dauerte fast ein Jahr. Jeden Dienstag probten und feilten wir als Chor an den Liedern. Es verlangte viel Disziplin und den einen oder anderen Schweisstropfen.

Nicht immer war es einfach, 60 Persönlichkeiten, welche verschiedenartiger nicht sein könnten, zu motivieren, sich auch bei alten Klassikern voll zu konzentrieren und die Feinheiten des Liedes zu festigen.

Keine leichte Aufgabe war auch die Zusammenführung der drei Elemente Chor, Band und Orchester. Da hiess es, zusätzlich sechs Musiker und 30 jugendliche StreicherInnnen, welche einige im Matura-Stress waren, an Bord zu nehmen und auch ihren Wünschen gerecht zu werden. Unsere Dirigenten Andrea Graf und Christoph Wieder haben dies wie immer mit Bravour gelöst. 

Schlussspurt

Das Datum der Konzerte rückt näher. Das erste Mal versammeln sich alle Beteiligten im Probelokal der reformierten Kirche in Baden zu einer gemeinsamen Probe. Der Chor singt sich ein, die Streicher stimmen ihre Geigen, Cellos sowie Kontrabasse, und die Musiker bereiten sich vor.

Nun ist höchste Konzentration von allen Beteiligten gefragt. Christoph und Andrea dirigieren das erste Mal in ihrem Leben ihren Chor, ein zum Teil noch junges Orchester und eine dynamische Band gleichzeitig. Beide nehmen die Herausforderung mit viel Elan an. Die Anspannung ist zu Beginn gross, doch schon nach den ersten Liedern legt sich diese und die Dirigenten strahlen erste Begeisterung und Zuversicht aus. Da und dort klären sich die Unklarheiten und es wird an den Feinheiten geprobt.

 

60 SängerInnen, 6 Bandmitglieder, 30 StreicherInnen unterwegs

Reise nach St. Maurice (VS) und Premiere im Théâtre du Martolet

Die Technik-Crew (bestehend aus drei Chormitgliedern, dem Dirigenten und dem Techniker) reist bereits am Freitagabend mit einem Lieferwagen und Privatautos nach St. Maurice. Im Theater angekommen, wird das Material in den vorgegebenen Räumlichkeiten deponiert. Bei einem feinen Essen wird über die Gegebenheiten des Saales, den Aufbau und über Gott und die Welt gesprochen. Die intensive und langjährige Freundschaft der Technik-Crew wird gebührend gepflegt. Ohne die unermüdliche und unentgeltliche Arbeit dieser Menschen, wäre es nicht möglich unsere Konzerte in diesem Stil durchzuführen und zu finanzieren. Wir sind so dankbar für ihre grossartige Arbeit.

Samstag, 4. Mai 2019: Der Chor, die Band und das Orchester trifft sich wie geplant in Nussbaumen und begibt sich pünktlich um acht Uhr auf die Reise. Nach einem feinen Mittagessen versammeln wir uns in den Katakomben des Theaters Martolet. Nach Informationen der Techniker soll der Theatersaal bis zu 900 Besucher fassen. Gespannt, wie kleine Kinder warten wir darauf, in den Saal einzutreten und uns in der Generalprobe auf die Räumlichkeiten und die Akustik vorzubereiten.

In der Luft liegt eine gewisse Spannung. Niemand weiss, wie viele Besucher es sein werden und wie viel Zuspruch unser Projekt hat. Der Soundcheck verläuft erstaunlich ruhig. Fluch oder Segen? Wir werden es bald wissen. Nur noch eine Stunde bis zur Türöffnung. Noch letzte Vorbereitungen wie: Schals und Krawatten anziehen, schminken, Funkmikrofone mit einer neuen Batterie bestücken, Programm auf den Stühlen verteilen und dann heisst es «Los geht’s» oder wie uns Bruder Thomas der Basilika St. Maurice auf Bayerisch vor dem Konzert noch mitteilt: «Bast scho…».

Letzte Gedanken gehen einem durch den Kopf. Letzte Glückwünsche. Letzte Umarmungen und dann geht es wirklich los. Einmarsch in ein unerwartet gut gefülltes Theater (ca. 500 Zuschauer). Unglaublich. Die gute Stimmung und die positive Energie der Gäste sind spürbar. Ein kraftvolles Percussions- und Schlagzeugsolo sowie das begeisterte Klatschen der Besucher begleiten uns auf die Bühne. Das Publikum macht vom ersten Ton an mit und es ist eine gewaltige Energie im Saal spürbar. Bereits jetzt ist klar, das gibt ein gigantisches Konzert, welches wir nicht so schnell wieder vergessen werden.

Nach sieben Liedern mit Chor und Band begrüssten wir das Jugendstreichorchester mit tosendem Applaus. Der Einstieg zum zweiten Teil mit dem Orchester ist nicht ganz geglückt, doch wir steigern uns gemeinsam auf ein nie da gewesenes Niveau. Unsere eigene Begeisterung überträgt sich auf das Publikum. Standing Ovation und tobender Applaus sind das grosse Dankeschön des Publikums. Wow, einmal mehr haben wir es als Gemeinschaft geschafft, die Zuhörer mit viel Herz und Überzeugung zu begeistern, zu berühren und sie mit warmen Herzen nach Hause zu begleiten.

Die Freude nach dem Konzert ist grenzenlos. Alle liegen sich in den Armen, Freudentränen kullern über die Wangen und es rieselt berührende Komplimente der Zuschauer. Wir werden noch lange von diesem Erlebnis zehren.

 

Erkenntnisse

  • Im Leben soll es ganz viel Platz haben, auch «durchgeknallte» Ideen zu spinnen. Es benötigt nur Geduld, den richtigen Zeitpunkt und den richtigen Ort, um die Idee zu realisieren.
  • Ein Projekt in dieser Grösse benötigt viel Herzblut, eine grosse Helfer-Gemeinschaft und Professionalität in der Organisation sowie musikalischen Leitung.
  • Der Konzerttag benötigt mit 100 Beteiligten klare Kommunikation und Struktur.
  • Es erfordert Disziplin und Konzentration aller Beteiligten.
  • Freude und Begeisterung für das eigene Tun, sei es als Techniker, MusikerIn, SängerIn oder DirigentIn sind unverzichtbar.
  • Zu guter Letzt braucht es ein Publikum, welches bereit ist, mit uns auf die Reise zum Herzen zu gehen.

 

Weitere Konzerte und Infos über den Chor

Samstag, 15. Juni 2019, 19:00 Uhr, Katholische Kirche Nussaumen
Sonntag, 23. Juni 2019, 18:00 Uhr, Kirche St. Anton Wettingen

Infos unter www.spiritofhope.ch.

4 Antworten auf „Wenn eine «durchgeknallte» Idee Wirklichkeit wird.“

  1. Liebe Jenny
    Durchgeknallte Ideen bereichen das Leben! Und wenn die richtigen Menschen am Schalthebel sitzen, kann nichts schief gehen. Du hast mit deinem Team schier Unmögliches, möglich gemacht. Wir vom Chor, die Band und das Orchester konnten dem Anlass am 04. Mai gelassen entgegensehen. Es war alles perfekt organisiert, bis ins letzte Detail. Dank der guten Organisation konnten wir uns ganz auf die Musik konzentrieren. Es gab, weder vor oder nach dem Konzert eine Hektik. Der Ablauf war klar und das gab uns die Sicherheit für einen guten Auftritt.
    Das Konzert war dann ein grosser Erfolg und für dieses Gelingen darfst du dir und deinem Team, auf die Schultern klopfen.
    Es war einfach nur super und ich freue mich riesig auf die nächsten Konzerte.
    Ich bedanke mich bei dir für deine tadellose Arbeit und wünsche dir ein angenehmes Nachklingen von Saint Maurice.
    Deine Mitsängerin
    Verena

    1. Liebe Verena
      Danke vielmals für deine ergänzenden Worte.
      Es ist mir aber wichtig zu sagen, dass ich in diesem Projekt nicht die Gesamtprojeklteiung hatte. Ich habe mit Christoph Wieder (Dirigent) die Idee gesponnen und Andrea Schneider (Präsidentin) bei der Umsetzung fachlich unterstützt. Ebenfalls war ich fürs Sponsoring Verantwortlich, damit wir dieses grosse Projekt auch finanzieren können.
      Ein grosses Dankeschön für die Hauptorganisation geht an Andrea, Christoph und Stéphane (Präsident Veranstalter und Mitsänger).
      Herzliche Grüsse
      Jenny

  2. Toll – muss ein gewaltiger Anlass gewesen sein : Kompliment. Stellt sich nur die Frage : Wann findet ein solches Konzert in unserer Region statt 😉

    1. Lieber Rolf, die nächsten Konzerte finden wie folgt statt:
      Samstag, 15. Juni 2019, 19:00 Uhr, Katholische Kirche Nussaumen
      Sonntag, 23. Juni 2019, 18:00 Uhr, Kirche St. Anton Wettingen
      Würde mich sehr freuen, dich an einem dieser Konzerte begrüssen zu dürfen.
      Beste Grüsse
      Jenny

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