2020-09-03_Blog-Eventbranche_2

Eine Branche die ums Überleben kämpft

Gedanken zur Eigenverantwortung und Unterstützung durch Staat und Gesellschaft in der Eventbranche

Seit sechs Monaten liegen die Zelte zusammengefaltet im Lager – die Lautsprecher, Mikrofone, Leuchtmittel in den Cases – das Geschirr und die Tischtücher der Caterer werden in Regalen aufbewahrt und die Eventmanager*innnen verzweifeln, da niemand Entscheidungen treffen will. Was ist hier falsch? Covid-19 stellt die Welt auf den Kopf und die Eventbranche täglich vor neue Herausforderungen.

Vertreter der Firmen «die zeltbauer gmbh» (Zeltbauer), «Megatron Veranstaltungstechnik AG» (Megatron) und «RAUM360 GmbH» (RAUM360) trafen sich am 01. September 2020 zu einem gemeinsamen Austausch über die aktuelle Lage. Fragen um Fragen wurden offen diskutiert und auf Flipcharts festgehalten:

  • Was geht gerade in der Eventbranche ab?
  • Wann ist die Angst der Eventbesucher und vor allem der Veranstalter wieder verflogen, so dass die «Normalität» einkehrt?
  • Was bedeutet «Normalität»? In der Vergangenheit und in Zukunft?
  • Wo liegen die Probleme der einzelnen Branchenvertreter (Eventmanager, Zeltbauer, Veranstaltungstechniker, Caterer, Künstler usw.)?
  • Wie können die vorhandenen Ressourcen anderweitig eingesetzt werden, ohne dass die Firmen über kurz oder lang Konkurs gehen?
  • Welche neuen Geschäftsfelder bilden sich und ergeben Chancen für die Zukunft?

Absagen um Absagen für Events bis Mitte 2021

Täglich nehmen die Zeltbauer und Megatron Absagen von kleinen und grossen Veranstaltungen entgegen. Die Absagegründe sind vielseitig:

  • Die Angst ist zu gross, dass sich Besucher anstecken und der Ruf der Veranstalter beeinträchtigt wird.
  • Die Kosten für die Vorbereitungsarbeiten laufen ins Unermessliche auf. Wer deckt diese bei einer Absage?
  • Die Schutzkonzepte werden trotz mehrmaliger Überarbeitung, von Gemeinde/Kanton nicht akzeptiert oder kurzfristig verboten, so dass die Events nicht mehr durchgeführt werden können.

Wer kann, darf oder möchte heute für obengenannte Gründe die Verantwortung übernehmen? Die traurige Antwort ist leider: «NIEMAND».

Bei beiden Firmen waren die Bücher für 2020 voll und 2021 bereits sehr gut gebucht. Zurzeit werden nur tröpfchenweise kurzfristige Aufträge gebucht und ausgeführt, welche aber meist einem Preiskampf ausgesetzt sind. Bei jeder Anfrage stellt sich die Frage, ob der Auftrag wirtschaftlich ist oder einfach nur eine Schadensbegrenzung.

Nach den Diskussionen über die aktuellen Situationen der einzelnen Firmen und dem «Frust ablassen», versuchten wir, Ideen für das «Wie weiter?» gemeinsam auszuarbeiten. Ganz viele Fragen blieben aber leider unbeantwortet.

 

Wo sehen wir uns in der Eigenverantwortung?

  • Wir sind davon überzeugt, dass die physischen Events nicht Geschichte sind. Der Mensch braucht den persönlichen Austausch. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann wieder kleine und grosse Events ohne übermässige Schutzkonzepte stattfinden.
  • Die grosse Frage ist einfach gestellt, aber schwierig zu beantworten: „Wie überbrücken wir das nächste halbe Jahr?“
    • Wie finanzieren wir wirtschaftlich die laufenden, ungedeckten Kosten? Kredite sind aus unserer Sicht nicht das richtige Mittel, da sie zurückbezahlt werden müssen, was mit den aktuellen Margen in der Eventbranche unrealistisch ist.
    • Wer könnte uns dabei unterstützen?
    • Wie setzen wir die Mitarbeiter und ihr Wissen am richtigen Ort und zur richtigen Zeit ein? Zu Hause sein und Däumchen drehen ist keine langfristige Lösung.
  • Die Digitalisierung hat Einzug gehalten, aus diesem Grund sind Hybride Events sicherlich ein Teil unserer Zukunft.
  • Vorhandene Ressourcen analysieren und anderweitig Zwischennutzen. (z.B.: Mitarbeiter vermieten, Transporte, Handlangerarbeiten auf dem Bau usw.).
  • Mit dem vorhandenen Wissen und den bestehenden Ressourcen ein zweites Standbein aufbauen.
  • Teilbereiche der Firma «einfrieren» (z.B.: Materiallager optimieren, Fahrzeugpark vermieten usw.). Angebot minimieren und bei Anstieg der Anfragen wieder aktivieren.
  • Klare Kommunikation mit allen Stakeholdern (Veranstalter, Mitarbeiter, Lieferanten, Besucher usw.), wie die Finanzierung bei einer Absage geregelt ist, mit dem Ziel, dass es für Alle irgendwie noch aufgeht.
  • Einen übergeordneten Verband gründen, welcher alle Bereiche wie Veranstaltungstechnik, Infrastruktur, Gastronomie, Kulturschaffende gemeinsam bei der Regierung vertritt und die akute Lage verständlicher darstellt. Vielen Menschen ist es nicht bewusst und bekannt, was hinter der Organisation eines Events steckt und welche Abhängigkeiten bestehen.

Wo stellen wir uns die Unterstützung von Staat und Gesellschaft vor?

  • Wir haben die Herausforderungen bisher selbstständig in die Hand genommen und werden die bisherigen Ideen auch weiter ausbauen. Trotzdem schaffen wir das nicht alleine, wir sind auf die Solidarität der Gesellschaft angewiesen. Hilfreich wären folgende tatkräftige Unterstützungen:
  • Der Staat gibt uns detaillierte und klar formulierte Rahmenbedingungen vor, welche die Planungssicherheit erhöht.
  • Die Kantone vereinheitlichen Ihre Regelungen schweizweit (z.B.: Maskenpflicht, Anzahl Besucher usw.), so dass weniger Unsicherheiten und Ängste bei den Besuchern und Veranstaltern auftreten.
  • Der Staat unterstützt die Unternehmen mit weiteren Massnahmen und finanziellen Mitteln bis Ende 2021. Die Deckung der fixen Kosten – dies sind nicht nur die Löhne, sondern auch die Sozialversicherungen, die KKT, die Unfallversicherung, die Betriebsversicherungen sowie die Miet- und Lagerkosten – muss gewährleistet werden.

Erkenntnisse

  • Bislang waren die Infrastruktur-Bauer (Zeltbauer, Veranstaltungstechniker, Dekorateure usw.) immer nur die leisen Arbeiter im Hintergrund (Aufbau im Vorfeld, Abbau nach dem Event). Den meisten Besuchern ist nicht bewusst, welcher Aufwand hinter einem begeisternden Ambiente steckt und welche Firmen dafür Hand in Hand zusammenarbeiten. Heute finden nahezu keine Events mehr statt. Sie werden also noch weniger wahrgenommen. Die Branche stirbt leise vor sich hin.
  • Wenn sich innerhalb der nächsten Monate keine neuen Türen zur Finanzierung der ungedeckten Kosten öffnen oder neue Geschäftsbereiche (zweites Standbein) entwickeln, verschwinden ganz viele renommierte und in der Vergangenheit solide aufgestellte Firmen aus der Eventbranche. Wollen wir das? Will das die Gesellschaft? Wir hoffen: «NEIN»
  • Als Veranstalter und Eventmanager*innen sind wir auf unsere Partner angewiesen. Nur gemeinsam können wir begeistern und unvergessliche Erlebnisse generieren.
  • Ein Umdenken aller Menschen muss stattfinden. Die «Normalität» der Erlebnisgesellschaft vor Covid-19 wird nicht mehr zurückkommen. Wir müssen offen sein für die noch nicht definierte neue „Normalität“ und sind angewiesen auf die Unterstützung von Politik und Gesellschaft.

Ich bedanke mich von Herzen bei den Teilnehmern des Workshops für die Offenheit und den konstruktiven Austausch. Haltet durch!

2 Antworten auf „Eine Branche die ums Überleben kämpft“

  1. Ich finde, der Bundesrat ist nun gefordert. Es liegt an ihm, die Empfehlungen für Events zu überdenken. Seit ca. 1960 wird die Weltbevölkerung mit Viren konfrontiert. Das kennen, unter anderem, auch viele Mütter. Sie besuchen mit ihrem Kind den Kinderarzt, weil Symptome von Halsweh, Ohrenschmerzen u.s.w. das Kind plagen. Man findet nichts bei der Untersuchung. Die lapidare Antwort des Arztes lautet stets: es ist ein Virus. So nützt auch Antibiotika nicht. Die Kinder haben also genug Abwehrkräfte gegen diese Viren und werden wieder gesund. Nun hat uns „jemand“ in den Kopf gesetzt, und das tagtäglich, dass das Corona Virus sehr gefährlich ist. Die Menschen werden in Panik versetzt. Angst ist sehr schlimm und schlimmer als das Virus. Jeder Mensch besitzt genug Abwehrkräfte gegen Krankheiten. Aber der Glaube daran, ist das Wichtigste. Mensch lerne dich selber kennen, beobachte zu was du fähig bist, dann wird alles gut. Dann können Menschen wieder unbeschwert fröhlich sein. Die Kinder wieder Theater spielen. Die Menschen wieder tanzen und ins Kino gehen. Die Menschen können wieder an Konzerten teilnehmen. Mensch lerne dich selber kennen und glaube an dich. Dann musst du nicht warten, bis der schwache Bundesrat eine schwache Entscheidung trifft. LASSE DICH NICHT GEHEN, GEHE SELBST! Die Vorschriften werden zwar kontrolliert, aber die Eventbranche und andere sollten sich zusammenschliessen und gemeinsam Aktionen planen, gegen den Lockdown.
    Jeder Mensch sollte jetzt dringend seinen gesunden Verstand einschalten und genau hinschauen, was uns eigetrichtert wird.

    1. Danke für das ausführliche Feedback. Es ist uns wichtig, mit diesem Blogbeitrag der Gesellschaft aufzuzeigen wie vielfältig die Eventbranche ist und dass ohne fleissige Menschen im Hintergrund KEIN Event mehr stattfinden kann.
      Wichtig ist uns auch aufzuzeigen, dass wir zur Zeit nicht nur Däumchen drehen, sondern uns Gedanken machen über unsere Zukunft und die Zukunft der Eventbranche.
      Wir bitten um kreative Ideen und konstruktive Kritik, welche die Eventbranche wieder zum Leben erweckt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.